Gute Unternehmenskommunikation braucht Mut!

Sieben Fragen an Peter Schels, Geschäftsführer von Al Dente Film

Peter Schels ist ein großer Mann, in der Branche und in echt. Sein Unternehmen Al Dente Entertainment hat eine Menge Preise gewonnen, er ist äußerst lebendig, unkonventionell und begeisterungsfähig.  Zu seinen Kunden gehören Marken wie Roland Berger, hasenkamp, Bain & Company, Fissler, AOK, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nemetschek und viele andere mehr.  In diesem Interview fragen wir nach, was den guten Unternehmensfilm ausmacht und ob und wann Humor zum Handwerk gehört.

Einem breiteren Publikum ist seine Persiflage auf den typischen phrasendreschenden Unternehmensfilm von 2013 bekannt. Wer in München studiert hat, freut sich über ein Wiedersehen mit dem „Obststandl Didi“:

Peter und sein Team haben sich einen Spass daraus gemacht, den Obststand und seinen stadtbekannten Besitzer im Stil eines phrasenschwangeren Image Films eines DAX Unternehmens zu präsentieren. Und dennoch hat Peter damit für seine Firma Al Dente Film beste Werbung gemacht, in dem er in einem einzigen Film gezeigt hat wie man es macht. Und auch wie man es nicht macht.

Dafür gab es viel Aufmerksamkeit, zwei Jahre später legte er für Avantgarde Experts eine Persiflage auf den typischen Recruiting Film drauf, der jedes Cliché des Genres genüsslich ausbreitete und damit sympathisch und selbstironisch um Bewerber warb.

Neben diesen zwei Highlights, die beinahe schon Bildungscharakter haben, produziert Al Dente ganz „normale“, aber eben authentischere Unternehmensfilme. Dazu wie man das macht und worauf es dabei ankommt, habe ich Peter sieben Fragen gestellt.

Peter Schels
Peter Schels von al Dente Entertainment

1. Wie verhilfst Du Laien-Darstellern dazu ordentlich, aber noch authentisch zu sprechen?

PS: Der Schlüssel zum Interviewerglück liegt im: Zuhören. Aktivem, interessiertem Zuhören. Man könnte sogar von Testimonial-Empathie sprechen. Menschen merken sehr schnell, ob sich das Gegenüber für einen interessiert, einem in die Augen sieht und gegebenenfalls nachfragt.
Lächeln ist auch nicht falsch – wenn es ein echtes Lächeln ist.
Letztendlich spielt auch Vorbereitung eine große Rolle. Ein Interview mit einem Top-Anwalt kann man nicht führen, ohne sich mit dessen Themen vorher auseinander gesetzt zu haben. Ein Fabrikarbeiter spürt ebenfalls sehr schnell, ob sich der Frager mit dessen ureigenen Themen auseinander gesetzt hat und ihm das Gefühl gibt: Du kannst mir auch sagen, was Dich vielleicht stört.

2. Wie und was kann man die Führungskräfte sprechen lassen, damit sie nicht abgehoben und trotzdem professionell rüber kommen?

PS: Viele Führungskräfte haben natürlich diverse Rhetorik- oder Medientrainings hinter sich. Die Managmentsprache strotzt überdies an akademischen Fachtermini, Anglizismen oder Phrasen, die keiner mehr braucht. Am Ende, siehe oben, braucht auch der CEO oder der Top-Manager ein Gegenüber auf Augenhöhe. Dazu gehört, auch mal darauf hin zuweisen, dass das jetzt gerade vielleicht nicht so überzeugend war oder auch die Bitte: Wie würden Sie das einem Kind erklären? Am Ende will auch eine Führungskraft ein Gegenüber, das aktiv zuhört und gut vorbereitet ist.

3. Wann ist Humor als Vermittler eines Inhalts eine gute Wahl und wann nicht? Können Kunden das selbst gut unterscheiden?

PS: Humor sollte in der Unternehmenskommunikation nicht unbedingt als Selbstzweck dienen. Warum auch? Viele Kommunikationsthemen sind erst mal verdammt dicke Bretter, die es zu bohren gilt. Was aber immer funktioniert ist Authentizität und Menschlichkeit. Und da ist Humor eine sehr wertvolle Unterstützung. Bei anderen Themen und Zielgruppen ist Humor sogar absolut förderlich, da es fast immer dem Unternehmen ein Augenzwinkern verleiht. Wir nehmen uns selbst nicht zu ernst. Dem kann man sich schwer verschliessen.

4. Welche Themen wollen Firmen am häufigsten herauskehren? Und welche sind die, die Du selbst am interessantesten findest/fändest? Bzw: die besser funktionieren würden.

PS: Puuh, es gibt schon eine riesige Bandbreite. Von der Kommunikation von Change Management-Prozessen bis hin zum Recruiting. Erklärender Content als Service genauso wie ganz klassisch Image- oder Unternehmenskommunikationsthemen.

Ich mag am liebsten die Themen, die sehr nahe am Menschen liegen. Da Unternehmen am Ende Organisationen sind, die sich über ihre Menschen definieren, schliesst das praktisch nichts aus.

5. Wie siehst Du die Verzahnung von Social Media und Unternehmensfilmen im Sinne der Entwicklung hin zu Kommunikation anstatt Beschallung? Wie macht man Unternehmensfilme interaktiv?

PS: Das sind natürlich gleich mehrere ganz unterschiedliche Fragen. Im B2B-Bereich beginnen Unternehmen meiner Ansicht gerade erst heraus zu finden, wie sie ihren Content an entsprechende Zielgruppen über die diversen Kanäle verbreiten können. Das liegt zum einen an der weit verbreiteten Mähr, soziale Plattformen sind nur was für junge Leute, zum anderen sind die Zielgruppen oft wesentlich schärfer definiert, sprich einfach nicht die große Masse. Dass aber auch der Einkäufer XY oder der Zulieferer YZ soziale Kanäle nutzt – das dringt gerade erst wirklich in das Bewusstsein der Unternehmen. Bei Marken oder im B2C-Bereich ist das natürlich längst ein alter Hut.
Interaktion ist nichts anderes als der Wunsch, dass derjenige, der etwas von mir sieht oder liest oder hört, dies bewußt und aktiv nutzt. Es gibt schon unterschiedliche Herangehensweisen für solche interaktiven Konzepte. Dazu zähle ich nicht nur QR-Code-spezifische Inhalte, Augmented Reality-Konzepte oder VR. Manchmal reicht es ein Video anzusehen und den Verlauf, die Sprache oder die Musik zu beeinflussen. Am einfachsten sind integrierte Mouseovers für Zusatzinfos. Viele Möglichkeiten, auch hier gibt es noch viel Luft nach oben.

6. Sind Unternehmensfilme als PR Mittel nicht längst out? Ist Content Produktion bzw. Entertainment nicht eher das Mittel mit dem man die Generationen ab Millenials erreicht?

PS: Stimmt. Und auch wieder nicht. Denn moderne Unternehmensfilme brauchen andere Herangehensweisen, die wiederum ganz klassisch sind. Storytelling ist fast schon ein Modebegriff. Hallo? Was eine gute Geschichte ist, begreift meine sieben-jährige Tochter ganz intuitiv, wenn sie mir eigene Geschichten erzählt. Aber diese dramaturgischen Elemente, der Held, der Konflikt, die Lösung, fliessen mehr und mehr in die heutigen Unternehmensfilme ein. Die Amerikaner sprechen zum Beispiel bei Filmen und Serien nicht von Story-driven, sondern von character-driven. Anhand der Hauptfigur(en), in Unternehmensfilmen beispielsweise die Mitarbeiter oder die Kunden, erzähle ich meine Geschichte. Das funktioniert auch über Generationsgrenzen hinweg. Die Länge der Filme ändert sich wiederum durchaus. Über ein Drittel aller Bewegtbild-Inhalte werden bereits auf mobilen Devices rezipiert. Das wirkt sich auf alle Formate aus. Auch auf Unternehmensfilme.

7. Wie gut funktionieren „Die Mutter aller Recruitingfilme“ und „Des Leben is a Freid“ als Filter? Dh. bekommt ihr immer noch hoffnungslose Anfragen für dröge Filme?
(die letzte Frage ist vielleicht nicht ganz ernst gemeint)

PS: Tatsächlich erhielten wir Anfragen von Unternehmen, die genau so einen Film wollten, mit so einem Text, so einem Sprecher – ganz ernst gemeint. Da wird es schwierig. Ist ein bisschen so, als ob man jemanden einen Witz erklären muss, den man gerade erzählt hat.

Bei dem Recruitingfilm gibt es auch Kommentare, die nicht ganz verstanden haben, was da erzählt wird, und das Unternehmen Avantgarde Talents gleich ablehnte. Waren dann aber auch nicht die richtigen Bewerber für das Unternehmen.

Tatsächlich hätten schon gerne eine Reihe von Unternehmen solche Filme mit sehr vielen Zuschauern und mächtig viel positiver Presse. Dazu muss man aber auch ein wenig Mut aufbringen. Das ist nicht der Wert, der in Kommunikation und Marketing stets an erster Stelle steht. Kann ja noch werden.

Danke Dir für das Gespräch!


Peter Schels und sein Team von Al Dente gehören zu unserem Netzwerk von außergewöhnlich talentierten Menschen mit denen wir (liebend gern) zusammen arbeiten.

Kontakt Peter Schels:
al Dente Entertainment GmbH
Friedrichstr. 2
80801 München
t +49 89 1897 0771
info@aldente-entertainment.com
www.aldente-entertainment.com