Alles was Sie schon immer über eine Corporate Film Produktion wissen wollten

Antje Drinnenberg

…aber nicht zu fragen wagten: wir haben mit Antje Drinnenberg gesprochen und sie für unsere Kunden befragt. Antje ist Journalistin, entschied sich aber vor einigen Jahren für die Selbstständigkeit und hat mit ihrer Produktionsfirma beeindruckenden Erfolg. Sie kann sich vor Aufträgen kaum retten, obwohl oder weil die Ergebnisse ihrer Arbeit die einzige Form der Werbung ist.

Los geht’s mit sieben  Fragen an Antje Drinnenberg:

1. Wie sieht eine Filmproduktion im Überblick aus?

Das ist natürlich variabel und abhängig von vielen Faktoren, allen voran vom Budget. Weswegen die Frage zum Projektbeginn auch einfach gestellt werden muss, denn davon hängt vieles, wenn nicht alles ab. Aber gehen wir von einer minimalen Lösung aus, dann brauchen wir eine Woche für die Konzeption mit dem Kunden um herauszufinden was welcher Zielgruppe warum kommuniziert werden soll. Darauf folgt die Drehvorbereitung von mindestens zwei Wochen. Da geht es oft um sehr praktische Dinge wie zum Beispiel dass am Drehort alle Fenster geputzt und Kittel gewaschen sind, dass die Maschinen laufen und die Logos die zu sehen sein werden auch den aktuellen Vorgaben entsprechen. Dann kommt der Dreh, der sich bei einem Industriefilm zwischen 2 und 7 Tagen bewegt, je nachdem wie viele Standorte und Enstellungen, aber auch was an Archivmaterial bereit steht. Schließlich noch mal 2-7 Tage im Schnitt und der Nachbearbeitung. Ein konzentriertes Projekt dauert also mindestens vier Wochen, aber häufiger 2-3 Monate.

2. Was sind die wesentlichen Kostentreiber?

Animationen und Grafik können sehr viel Budget verschlingen, wobei hier mit klassischen Aufnahmen mit demselben Budget oft günstiger mehr zu erreichen ist. Natürlich sind viele und/oder weit entfernte Drehorte ein Kostentreiber, vor allem für internationale Unternehmen. Hier haben wir erst in einem gerade fertiggestellten Projekt Stock- und Archivaufnahmen mit, obendrein authentisch wirkendenden, Handyaufnahmen kombiniert, die die Mitarbeiter mit viel Spass an der Sache selbst gedreht haben und so ein noch besseres Ergebnis erzielt. Die größte Gefahr für das Budget und die Zeitplanung geht aber nach wie vor von schlechter Vorbereitung aus. Damit meine ich nicht nur in Bezug auf die Drehvorbereitung, aber auch in Bezug auf Interviewpartner und Kommunikationsabteilungen.
Ein weniger entscheidender Faktor als viele meinen ist die Auflösung. Bei spektakulären Drehs setzen wir natürlich auch auf 4k und wollen keinen Pixel verpassen. Aber in den meisten Fällen sind die daraus resultierenden Datenmengen einfach nur unhandlich und bleiben in einem Filmchen auf der Homepage unsichtbar. Man wählt die Qualität pragmatisch und passend zum Sujet und der Präsentationsform und spart sich dann Zeit und Geld.

3. Wie erklärst Du Deinen Kunden Deine Idee vom Film so, dass diese sich das Endergebnis vorstellen können?

Ein Film entsteht im Grunde dreimal neu: einmal am Anfang des Projekts wenn man Ideen sammelt und Pläne schmiedet, einmal beim Dreh selbst, wenn die Einstellungen aus der Kreativität des Teams entwickelt werden und schließlich ein drittes mal am Schnittplatz. Das sage ich meinen Kunden immer, damit sie nicht zu sehr an den ursprünglichen Plänen und Visualisierungen hängen bleiben und damit den kreativen Prozess einengen. Manche Corporate Filmmakers arbeiten noch mit Storyboards, also praktisch Comicartigen Skizzen die den Film erklären sollen, Tableau für Tableau. Das ist eine sehr anschauliche Methode aber kostet viel Zeit und Geld, für das die Kunden kaum noch Geduld und Budget mitbringen. Statt dessen schreibe ich Konzepte in denen ein Teil die tabellarische Aufstellung der Einstellungen ist, veranschaulicht durch Fotos oder Stills die ich mir zusammenklaube. Das ist klarer und gibt ein besseres Bild der gewünschten Stimmung ab als eine Zeichnung.

4. Wie geht ihr mit deutschsprachigem Personal in einem internationalen Umfeld um?

Oft genug wird am Drehort noch einmal umentschieden, dass das Interview doch auf deutsch statt finden soll. Nicht unbedingt weil es an der Aussprache hapert, sondern weil die Authentizität in der Fremdsprache abhanden kommt. Ein Akzent ist nicht dasselbe wie ein Ausdruck. Wir machen dann im nachhinein lieber Voice Overs als Untertitel. Die sind günstiger und in denen kann man auch noch etwas ausdrücken, oder auch geraderücken. Außerdem lenken Untertitel ab.

5. Hat in den letzten Jahren eine Themen und Stilverschiebung statt gefunden, wie man so oft hört?

Du spielst sicher darauf an, dass weniger Brustgetrommel und mehr zuhören und Authentizität transportiert werden soll. Das ist auf jeden Fall der Meta und Megatrend der letzten Jahre, auch im Corporate Film. Damit kämpfen viele Unternehmen, aber nicht nur auf Führungsebene. Wir haben zum Beispiel letztes Jahr für einen echten global player eine „global innovation challenge“ begleitet, in der Mitarbeiter in einem x-tausend Personen Unternehmen Ideen einreichen sollten, um die Innovationsleistung in ihrem Bereich menschlich rüber zu bringen. Da gab es große Zurückhaltung und Ängste sich in einem technisch geprägten Umfeld zum Affen zu machen. Also haben wir den Aufruf zur Teilnahme an sich als Video mit einem Vorstandsmitglied gedreht, der da ganz menschlich mit Fehlern auftritt und sich Blößen gibt. Das hat unglaublich gut gewirkt und die dann folgenden Einreichungen haben alle Beteiligten umgehauen.

Besonders gute Beispiele der letzten Zeit die mir in Erinnerung geblieben sind zum Thema Corporate Film:
Shell Safety – Authentizität


IBM predictive maintenance – Digitalisierung

6. Es gibt ja viele Awards in dem Umfeld, auf welche schaut man denn wirklich als Brancheninsider?

Ehrliche Antwort? Auf gar keinen. Die guten Beispiele sprechen sich rum, aber die Awards die in dem Bereich existieren sind mir nach ein paar Jahren in der Branche nach wie vor kein Begriff. Kein Corporate Filmer sitzt in irgendeiner Nacht des Jahres fiebernd vor dem Rechner und wartet auf die „Oscars“.

7. Hast Du als Producer auch die Aufgabe die Verbreitung zu planen oder mit zu begleiten?

Nein, wobei die meisten meiner Kunden auch erst anfangen Publikationsplattformen jenseits der eigenen Kanäle wirklich konsequent zu benutzen.
Oft ist auch die Veröffentlichung bestehender Filme in solchen Kanälen wie youtube noch eine ungelöste Aufgabe. Es wird hauptsächlich mit dem Blick nach innen produziert und das das innen immer öfter auch aussen ist, setzt sich erst langsam durch. Für diese Fragen verlassen wir uns auf Profis im digitalen Marketing, wie Euch 😉

Vielen Dank…

Antje’s Kontaktdaten:

ANTJE DRINNENBERG
FILM PRODUCTION STRATEGY
TELEFON: +49 (0) 163 1700 144
EMAIL: INFO@FIRSTHANDJOURNALISM.DE
WEBSITE: WWW.FIRSTHANDJOURNALISM.DE

(und bitte einen schönen Gruss bestellen)