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Alles was Sie schon immer über eine Corporate Film Produktion wissen wollten

Antje Drinnenberg

…aber nicht zu fragen wagten: wir haben mit Antje Drinnenberg gesprochen und sie für unsere Kunden befragt. Antje ist Journalistin, entschied sich aber vor einigen Jahren für die Selbstständigkeit und hat mit ihrer Produktionsfirma beeindruckenden Erfolg. Sie kann sich vor Aufträgen kaum retten, obwohl oder weil die Ergebnisse ihrer Arbeit die einzige Form der Werbung ist.

Los geht’s mit sieben  Fragen an Antje Drinnenberg:

1. Wie sieht eine Filmproduktion im Überblick aus?

Das ist natürlich variabel und abhängig von vielen Faktoren, allen voran vom Budget. Weswegen die Frage zum Projektbeginn auch einfach gestellt werden muss, denn davon hängt vieles, wenn nicht alles ab. Aber gehen wir von einer minimalen Lösung aus, dann brauchen wir eine Woche für die Konzeption mit dem Kunden um herauszufinden was welcher Zielgruppe warum kommuniziert werden soll. Darauf folgt die Drehvorbereitung von mindestens zwei Wochen. Da geht es oft um sehr praktische Dinge wie zum Beispiel dass am Drehort alle Fenster geputzt und Kittel gewaschen sind, dass die Maschinen laufen und die Logos die zu sehen sein werden auch den aktuellen Vorgaben entsprechen. Dann kommt der Dreh, der sich bei einem Industriefilm zwischen 2 und 7 Tagen bewegt, je nachdem wie viele Standorte und Enstellungen, aber auch was an Archivmaterial bereit steht. Schließlich noch mal 2-7 Tage im Schnitt und der Nachbearbeitung. Ein konzentriertes Projekt dauert also mindestens vier Wochen, aber häufiger 2-3 Monate.

2. Was sind die wesentlichen Kostentreiber?

Animationen und Grafik können sehr viel Budget verschlingen, wobei hier mit klassischen Aufnahmen mit demselben Budget oft günstiger mehr zu erreichen ist. Natürlich sind viele und/oder weit entfernte Drehorte ein Kostentreiber, vor allem für internationale Unternehmen. Hier haben wir erst in einem gerade fertiggestellten Projekt Stock- und Archivaufnahmen mit, obendrein authentisch wirkendenden, Handyaufnahmen kombiniert, die die Mitarbeiter mit viel Spass an der Sache selbst gedreht haben und so ein noch besseres Ergebnis erzielt. Die größte Gefahr für das Budget und die Zeitplanung geht aber nach wie vor von schlechter Vorbereitung aus. Damit meine ich nicht nur in Bezug auf die Drehvorbereitung, aber auch in Bezug auf Interviewpartner und Kommunikationsabteilungen.
Ein weniger entscheidender Faktor als viele meinen ist die Auflösung. Bei spektakulären Drehs setzen wir natürlich auch auf 4k und wollen keinen Pixel verpassen. Aber in den meisten Fällen sind die daraus resultierenden Datenmengen einfach nur unhandlich und bleiben in einem Filmchen auf der Homepage unsichtbar. Man wählt die Qualität pragmatisch und passend zum Sujet und der Präsentationsform und spart sich dann Zeit und Geld.

3. Wie erklärst Du Deinen Kunden Deine Idee vom Film so, dass diese sich das Endergebnis vorstellen können?

Ein Film entsteht im Grunde dreimal neu: einmal am Anfang des Projekts wenn man Ideen sammelt und Pläne schmiedet, einmal beim Dreh selbst, wenn die Einstellungen aus der Kreativität des Teams entwickelt werden und schließlich ein drittes mal am Schnittplatz. Das sage ich meinen Kunden immer, damit sie nicht zu sehr an den ursprünglichen Plänen und Visualisierungen hängen bleiben und damit den kreativen Prozess einengen. Manche Corporate Filmmakers arbeiten noch mit Storyboards, also praktisch Comicartigen Skizzen die den Film erklären sollen, Tableau für Tableau. Das ist eine sehr anschauliche Methode aber kostet viel Zeit und Geld, für das die Kunden kaum noch Geduld und Budget mitbringen. Statt dessen schreibe ich Konzepte in denen ein Teil die tabellarische Aufstellung der Einstellungen ist, veranschaulicht durch Fotos oder Stills die ich mir zusammenklaube. Das ist klarer und gibt ein besseres Bild der gewünschten Stimmung ab als eine Zeichnung.

4. Wie geht ihr mit deutschsprachigem Personal in einem internationalen Umfeld um?

Oft genug wird am Drehort noch einmal umentschieden, dass das Interview doch auf deutsch statt finden soll. Nicht unbedingt weil es an der Aussprache hapert, sondern weil die Authentizität in der Fremdsprache abhanden kommt. Ein Akzent ist nicht dasselbe wie ein Ausdruck. Wir machen dann im nachhinein lieber Voice Overs als Untertitel. Die sind günstiger und in denen kann man auch noch etwas ausdrücken, oder auch geraderücken. Außerdem lenken Untertitel ab.

5. Hat in den letzten Jahren eine Themen und Stilverschiebung statt gefunden, wie man so oft hört?

Du spielst sicher darauf an, dass weniger Brustgetrommel und mehr zuhören und Authentizität transportiert werden soll. Das ist auf jeden Fall der Meta und Megatrend der letzten Jahre, auch im Corporate Film. Damit kämpfen viele Unternehmen, aber nicht nur auf Führungsebene. Wir haben zum Beispiel letztes Jahr für einen echten global player eine „global innovation challenge“ begleitet, in der Mitarbeiter in einem x-tausend Personen Unternehmen Ideen einreichen sollten, um die Innovationsleistung in ihrem Bereich menschlich rüber zu bringen. Da gab es große Zurückhaltung und Ängste sich in einem technisch geprägten Umfeld zum Affen zu machen. Also haben wir den Aufruf zur Teilnahme an sich als Video mit einem Vorstandsmitglied gedreht, der da ganz menschlich mit Fehlern auftritt und sich Blößen gibt. Das hat unglaublich gut gewirkt und die dann folgenden Einreichungen haben alle Beteiligten umgehauen.

Besonders gute Beispiele der letzten Zeit die mir in Erinnerung geblieben sind zum Thema Corporate Film:
Shell Safety – Authentizität


IBM predictive maintenance – Digitalisierung

6. Es gibt ja viele Awards in dem Umfeld, auf welche schaut man denn wirklich als Brancheninsider?

Ehrliche Antwort? Auf gar keinen. Die guten Beispiele sprechen sich rum, aber die Awards die in dem Bereich existieren sind mir nach ein paar Jahren in der Branche nach wie vor kein Begriff. Kein Corporate Filmer sitzt in irgendeiner Nacht des Jahres fiebernd vor dem Rechner und wartet auf die „Oscars“.

7. Hast Du als Producer auch die Aufgabe die Verbreitung zu planen oder mit zu begleiten?

Nein, wobei die meisten meiner Kunden auch erst anfangen Publikationsplattformen jenseits der eigenen Kanäle wirklich konsequent zu benutzen.
Oft ist auch die Veröffentlichung bestehender Filme in solchen Kanälen wie youtube noch eine ungelöste Aufgabe. Es wird hauptsächlich mit dem Blick nach innen produziert und das das innen immer öfter auch aussen ist, setzt sich erst langsam durch. Für diese Fragen verlassen wir uns auf Profis im digitalen Marketing, wie Euch 😉

Vielen Dank…

Antje’s Kontaktdaten:

ANTJE DRINNENBERG
FILM PRODUCTION STRATEGY
TELEFON: +49 (0) 163 1700 144
EMAIL: INFO@FIRSTHANDJOURNALISM.DE
WEBSITE: WWW.FIRSTHANDJOURNALISM.DE

(und bitte einen schönen Gruss bestellen)

Prototyping! Aber Richtig!

7 Fragen an Ben O’Hear von Revelate

Ben ist Partner bei Revelate, einer digitalen Designberatung mit Schwerpu. Eigentlich ist er irisch-schweizerischer Herkunft und lebt mit seiner Frau Stephanie Kieffer und ihren zwei Söhnen am schönen Ammersee. Ihre gemeinsame Firma Revelate hilft Unternehmen erfolgreiche digitale Angebote aufzubauen, indem es ihre Funktionalität an den Bedürfnissen der Benutzer ausrichtet und deren Erfahrung mit dem Produkt oder dem Angebot gezielt verbessert. Revelate arbeitet hauptsächlich mit Technologieunternehmen zusammen und beraten auch Startups als Accelerator und im Rahmen von Events wie Google Launchpad.

  1. Was muss ein Prototyp für eine Website mindestens können, um ausssagekräftige User Tests machen zu können?

Es muss dem Benutzer erlauben, die Webseite durchzuklicken, als ob sie bereits umgesetzt worden wäre. Aber eben nur für die Anwendungsfälle, die wir testen wollen.

2. Mit welchen Tools und Tricks erstellt ihr Prototypen, ohne gleich dieselbe Arbeit wie der tatsächlichen Programmierung einer Website stemmen zu müssen.

Wir nutzen vor allem zwei Tools: Powerpoint (oder Keynote) und die Kombination von Sketch und Invision. Powerpoint funktioniert erstaunlich gut, um schnell klickbare Prototypen zu erstellen. Allerdings ist man technisch eingeschränkt inwieweit das endgültige Design dargestellt werden kann. An diesem Punkt kommen Sketch + Invision mit ins Spiel. Sie erlauben, sehr realistische Prototypen zu bauen, jedoch brauchen sie etwas mehr Know-How.
Es gibt auch noch leistungsfähigere Tools, wie JustInMind oder Axure, mit denen man kpmplexe Prototypen bauen kann, die mehr Möglichkeiten als reine “Click-Dummies” bieten. Allerdings finde ich persönlich, dass der Aufwand sich selten lohnt und tendiere mehr zu einer “Quick and Dirty” Umsetzung, wo möglich auch für komplexere Prototypen.
Abgesehen von den Tools, ist es nicht immer zwingend nötig, Prototypen zu bauen. Z.b. Chatbots lassen sich wunderbar mit Whatsapp Prototypen.

3. Wie organisiert man so einen Test? Wer sollte den durchführen?

Da gibt es viele Ansätze, von ganz formellen über sogenanntes Hallway Testing (aka “Schnapp dir Jemand”). Für sehr kritische Situationen, wie Autos Dashboards oder Flugzeugcockpits lohnt es sich natürlich, den formellen Weg zu gehen. Für unkritische Situationen, wie z.B. die Erstellung einer Unternehmenswebseite, ist es in der Regel besser, informeller zu arbeiten und dafür mehr Tests mit demselben (oder weniger) Budget durchzuführen.

Die grösste Herausforderung ist meistens, Probanden zu finden. Wenn es einen Ort gibt, an dem sich unsere Benutzer aufhalten und Zeit haben (Behörden haben in dem Fall einen klaren Vorteil), können wir einfach dort hingehen. Ansonsten muss man sie durch die üblichen Kanäle rekrutieren und sie mit z.B. einem Gutschein incentivieren.
Ein UX-Experte sollte immer dabei sein, um sicherzustellen, dass die Tests ordentlich durchgeführt werden. Ansonsten, sollten so viele Personen aus dem Team wie möglich an dem einen oder anderen Test teilnehmen. Es gibt, meiner Erfahrung nach, keinen besseren Weg, um das Team auf Augenhöhe zu bringen und zu motivieren, ein wirklich gutes Produkt zu bauen.

4. Wie viele Befragungen muss man durchführen um ein belastbares Ergebnis zu bekommen?

Da ist es wichtig zu verstehen, warum man einen Usability Test durchführt. Wir machen es nicht, um zu beweisen, dass unser Produkt benutzerfreundlich ist, sondern wir wollen herausfinden, was für Usability Probleme da sind, mit dem Ziel, unser Produkt zu verbessern. Laut dem Usability Guru Jakob Nielsen reichen 5 Benutzer, um die Mehrheit der Probleme zu erkennen und das ist auch meine Erfahrung. Es kommt aber auch darauf an wie unterschiedlich die Anwendungsfälle sind und auch darauf, wie unterschiedliche Niveaus notwendiger Vorkenntnisse und genereller Erfahrung mit digitalen Medien unter den Probanden zu erwarten ist.

5. Wie dokumentiert man die Ergebnisse?

Wir priorisieren die entdeckten Probleme in Trello, einem Tool das im Prinzip digitalen Karteikarten entspricht. Das ist einfach und kann im Nachhein sehr schön sortiert und mit Schlagworten versehen werden. Dann entwickeln wir Design-Lösungen, die in den Entwicklungs-Backlog einfliessen. Damit machen wir es uns in der Dokumentation relativ leicht und fokussieren uns auf die Umsetzung. Anders ausgedrückt, wir versuchen die Probleme zu lösen, statt sie zu dokumentieren.

In formellen Umgebungen kann man natürlich auch einen Bericht schreiben, aber wir sind meistens in agilen Umgebungen unterwegs und wollen so schnell wie möglich vorankommen.

6. Wenn man die gewonnenen Einsichten umgesetzt hat, muss man dann noch einen weiteren Test zur Überprüfung durchführen? Und dann noch einen? Und dann noch einen?

Das wäre ideal, aber ist wegen Zeit und Budget selten realistisch.
Wie zuvor erwähnt ist das Hauptziel eines Usability Tests, dem Team zu helfen, ein besseres Produkt zu entwickeln. Wenn man die entdeckten Probleme gut versteht, ist die Chance gross, dass die Lösungen richtig werden. Auf jeden Fall ist man auch mit einem Test wesentlich besser unterwegs, als ohne.
Praktisch gesehe, muss man auch zwischen kontinuierliche Entwicklung und Projekte unterscheiden, die ein Anfang und eine Ende haben (zum Beispiel ein Relaunch).
Bei einer kontinuierliche Entwicklung sollte man regelmäßige Usability Tests einplanen, z.B alle 4 Wochen, je nachdem wie schnell das Entwicklungsteam ist.
Bei Projekten sind 3 Tests ein guter Anfang: Eines ganz am Anfang mit Prototypen. Ein zweiter, sobald man ein Grundgerüst mit den ersten Inhalten hat und ein weiterer nahe am Ende des Projekts, um die Kleinigkeiten zu verfeinern.
In beiden Fällen werden die Lösungen zu den Probleme, die in den früheren Tests entdeckt wurden, bei den späteren Tests nochmal geprüft.

7. Wann sollte man besser keine User Tests mit Prototypen machen?

Da sehe ich 2 Situationen:
1. Wenn unser Problem nicht Usability ist, sondern, dass wir die Bedürfnisse von unserem Kunden besser verstehen müssen. Da sind User Interviews aus der Design Thinking oder Lean Startup Ecke viel besser geeignet.
2. Wenn es um eine Weiterentwicklung geht, die schneller umzusetzen ist, als sie als Prototyp zu bauen.

Vielen Dank für das Gespräch Ben!

Prototyping erscheint aufwändig, aber selbst bei nur einem Durchgang im Test mit repräsentativen Vertretern der Zielgruppe, gewinnt man immer lohnende Einblicke und Anregungen zur Verbesserung. Insbesondere für die Verbesserung bestehender Angebote wird die Methode noch viel zu wenig eingesetzt, während sie für neue Geschäftsfelder schon zum guten Usus geworden ist. Wir unterstützen Sie gern bei der Planung und Umsetzung auch in Zusammenarbeit mit ihrem Designteam!

Kontakt Ben O’Hear/revelate
Ben O’Hear
UX Consultant, Revelate
Herrsching / Munich
E: ben@revelate.de
T: +49 8152 396 4101
Lean Startup MunichLinkedInTwitter

Suchmaschinen in China: Sieben Fragen

In vielen Gesprächen über digitales Marketing im B2B Umfeld erreichen wir früher oder später den Moment, in dem die Rede auf Suchmaschinen-Optimierung mit dem Blick auf China kommt. Meistens wird dies von einem Achselzucken begleitet. Also haben wir uns auf die Suche nach einem echten Experten gemacht und ihn in Simon Lesser auch gefunden.

Simon ist Mitgründer von Dragon Metrics mit Sitz in HongKong und NYC und Autor des sehr tiefschürfenden und umfangreichen „Guide to Baidu SEO„. Weil die wenigsten Marketing Profis sich für die technischen Details der Suchmaschinen-Optimierung für Baidu und andere chinesische Suchmaschinen interessieren dürften und entsprechendes Fachwissen in Europa ausgesprochen rar ist, haben wir Simon sieben der wichtigsten Fragen gestellt, die unsere Kunden immer wieder bewegt. Continue reading Suchmaschinen in China: Sieben Fragen

Gute Unternehmenskommunikation braucht Mut!

Sieben Fragen an Peter Schels, Geschäftsführer von Al Dente Film

Peter Schels ist ein großer Mann, in der Branche und in echt. Sein Unternehmen Al Dente Entertainment hat eine Menge Preise gewonnen, er ist äußerst lebendig, unkonventionell und begeisterungsfähig.  Zu seinen Kunden gehören Marken wie Roland Berger, hasenkamp, Bain & Company, Fissler, AOK, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nemetschek und viele andere mehr.  In diesem Interview fragen wir nach, was den guten Unternehmensfilm ausmacht und ob und wann Humor zum Handwerk gehört.

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b2b digital Marketing trends

Digitales Marketing hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Einige Anbieter von Marketing Automation Lösungen haben sich rasend schnell verbreitet, die Seh- und Lesegewohnheiten haben eine Wende vollzogen und die Aufmerksamkeitsspanne ist weiter messbar gesunken.

Authentizität

Gleichzeitig ist die Wirtschaft vielfach in Ton und Inhalten weniger formell geworden und Kaufentscheidungen werden laufend stärker von weichen Faktoren mitbestimmt: In einer Welt in der immer komplexere Produkte als Lösungen zusammen mit passenden Services angeboten werden, sind Werte wie Offenheit, Zugänglichkeit und Menschlichkeit auch im technischen Umfeld zunehmend wichtiger. Wer sich für ein Produkt entscheidet, kauft die Experten gleich mit. Seit dem Clue Train Manifesto gilt: Die Grenzen einer Unternehmung verschwinden zunehmend, sobald die 1:1 Kommunikation im Internet den Wert des „human touch“ stärker werden lässt.

Noch kann künstliche Intelligenz den Anschein, wie ein Mensch zu kommunizieren, selten oder nur mit enormem Aufwand erwecken. Im b2b Marketing ist diese Form der Authentizität im digitalen Raum noch ein relatives Novum, aber die Erwartungen, die im b2c Umfeld bestehen, machen auch vor gewohnten Kommunikationsmustern keinen Halt.

Schönes Beispiel: Messestand von Azubis bei EBM-Pabst

Relevanz

Vom Marketing wird heute noch mehr denn je erwartet, den Kunden dort abzuholen, wo er mit seinem Anliegen steht. Das heisst, Unternehmen bemühen sich heute, vor allem aus Kundensicht relevante Themen im Netz zu besetzen und hilfreiche Informationen über den direkten Vertriebsbezug hinaus zu bieten.

Wer sich das nicht leisten kann, muss wenigstens unterhalten, oder die richtigen Informationen passgenau und hoch strukturiert anbieten. Die Zeiten, in der man vom Besucher der Website erwarten konnte, dass er sich durch eine Seitenstruktur durchklickt, sind vorbei. Die Wahrscheinlichkeit ist viel höher, dass dieser irgendwo im Seitenbaum ankommt, wo ihn die google Suche hingebracht hat. Wenn diese Seite nicht sofort verständlich ist und alles Wesentliche bietet, ist der Besuch schneller vorbei als Sie „hallo und tschüss“ sagen können.

Benchmark: die berühmte Goldfischstudie von Microsoft zur sinkenden Aufmerksamkeitsspanne.

Verantwortung

Moderne Unternehmen müssen Ambitionen vorweisen können, die über den Zweck des Geldverdienens hinausgehen. Kunden und Mitarbeiter wollen einen Sinn im eigenen Handeln erkennen können, der Verantwortungsbereitschaft für die Gesellschaft, die Umwelt oder am besten beides erkennen lässt. Unternehmen die Gutes tun wollen, beschäftigen vermutlich auch kluge, erfolgreiche und sympathische Menschen, mit denen man gern arbeiten möchte oder denen man guten Gewissens etwas abkaufen kann. Das gute Gewissen ist im Wettbewerb kein Bonus mehr – es ist Pflicht.

Sehenswert: Werbe-Industrie-Ikone Cindy Gallop über die Zukunft der Werbung durch soziale Verantwortung: „Redesigning the business of Advertising„.

We have to move from making good advertising to making advertising good – Cindy Gallop

Emotionalisierung

Kaum ein führendes Unternehmen zeigt noch einfache Produktfotos auf der Startseite oder bewirbt zuoberst seine „XTC2080“. Oben auf der Fahne steht heute markige Sprüche wie „Winning a new future for all of us“ oder „Connecting the planet one rail at a time“ (beide frei erfunden). Moderne Unternehmen haben heute Träume und versprechen Wege in eine bessere Zukunft. Große soziale Ambitionen hatten schon Carnegie oder Carl Zeiss. Neu daran ist aber, dass auch mittelständische b2b Unternehmen diese offen legen und mit dem Markt darüber sprechen.

Lesenswert: Die Studie von Gyro und der Fortune Knowledge Group: „Only Human: The Emotional Logic of Business Decisions

Content Marketing

Marketto, Hubspot und andere Anbieter von Marketing Automation Lösungen haben sich in den letzten zwei Jahren mit rasender Geschwindigkeit verbreitet. Sie haben einen de facto Standard etabliert wie heute Inbound Marketing gemacht werden soll, bieten entsprechende Kurse an und die Tools gleich mit dazu. Dabei geht es im Wesentlichen darum, dass Unternehmen in gesättigten Märkten, wie oben bereits beschrieben, Themen neu definieren und besetzen müssen.

Im Konsumgüterbereich sind die grossen Gewinner Firmen wie RedBull, die über ihr MediaHouse eine Präsenz in den Köpfen erzielt hat, die mit keinem Werbebudget zu erreichen gewesen wäre. Investitionsgüter erfordern mehr Ernsthaftigkeit, aber das Prinzip ist ähnlich: Wer seine Themen nicht spannend und medienadäquat präsentieren kann, verliert Reichweite, Relevanz und Kunden. Selbst Weltmarktführer und Werbemuffel wie der bekannte Hersteller von professionellem Arbeitsgerät aus Liechtenstein, die weithin bekannte HILTI, hat sich entschieden künftig mehr auf Video zu setzen. Ihr Marketing Chef gab zudem kürzlich bekannt, dass man dafür sogar ein eigenes Studio baue.

Lesenswert:Seven Content Marketing Lessons from Red Bull Media House

Textschwund und Bildmacht

Wenn man Websites von heute mit denen von vor vier Jahren vergleicht, dann springt sofort eins in Auge: der Textschwund und die gleichzeitige Vergrößerung des „Screen Real Estate“ für Bilder.

Fast alle Überbrückungstexte und inhaltsleeren Einleitungen sind verschwunden, oder wurden stark reduziert. Insgesamt findet man (sehr viel) weniger Text und weitergehende Informationen sind noch häufiger als früher in PDF’s  und Blogs (!) ausgelagert.

Ein wesentlicher Grund dafür sind nicht nur die veränderten Lesegewohnheiten, sondern auch die Optimierung für google, mit kurzen knappen Anreissern, die auch noch in der Suchergebnisanzeige Sinn und Appetit machen.

Von „Mobile first“ zu „Mobile Only“

Auch wenn die meisten Websites noch per Desktop aufgerufen werden, insbesondere im b2b-Umfeld, so ist doch die Designsprache stark von mobile beeinflusst. Schon länger sparen sich Unternehmen auch auf dem Desktop die ständig sichtbare Hauptnavigation. Das sogenannte„Burgermenü“ mit den drei Strichen ist auch auf immer mehr Desktop-Designs zu sehen.

Auch die farblichen Zonen, die die One-Pager-Designs dominiert haben, sind heute weit verbreitet. Die Seiten werden so stärker in sich strukturiert und zwar durch Farbflächen statt Überschriften, denn, sie haben es erraten, der Text stirbt. (Aber Sie haben es bald geschafft).

Aktuelle Designs findet man etwa bei Awwwards

Video

Es ist nun lange schon kein Geheimnis mehr: Videos, oder „Bewegtbild“ wie der Medienprofi gern dazu sagt, sind überall und immer noch im Kommen. Erklärfilme, Imagefilme, Werbefilme, Produktdemos, Interne Unternehmenskommunikation: Alles mögliche wird mittlerweile gern per Video aufbereitet und transportiert. Die Vorteile liegen auf der Hand, aber wer sie noch einmal nachlesen möchte, dem sei der alljährliche Überblick mit hilfreichen Argumentationshilfen für die nächste Budgetdiskussion empfohlen:

Lesenswert: Die Video Marketing Statistics 2017 von Wyzowl.

Weiterlesen

In unserer Serie zu verschiedenen Themen des b2b-Marketings macht Video und der Corporate Film deshalb den Anfang. Begonnen haben wir mit einem Interview mit einem der es wissen muss: Peter Schels von Al Dente Film.

Hier geht’s zu: Sieben Fragen an Peter Schels

Dies ist kein Blog!

Doch natürlich schon. Nur ohne Nabelschau und Schlaumeierei, statt dessen mit Themen, die uns selbst interessieren.

Zum Beispiel diese:

  • b2b Marketing digital und ganzheitlich
  • Werbeformen
  • Produktionstipps
  • Interpretationshilfen zu Statistiken
  • neuen Trends
  • und nützlichen Tools
  • guten Events und Messen

Dazu wollen wir ca. einmal monatlich schreiben.

Wir, dass sind Daniel Hinderink und Daniel Thomas, Gründer und Managing Partner von dpool.

Viel Spaß beim Lesen!

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